Vodka

Doppelt hält besser: Auch die Neue Presse zeigt Interesse!

Doppelt hält besser: Auch die Neue Presse zeigt Interesse!

Kaum war der Artikel in der Hannoverschen Allgemeinen erschienen, zeigte auch die Neue Presse Interesse an Jürgen Deibel, „einem der weltweit bekanntesten Experten für Whisky, Cognac und Brandy.“ Schön, dass der Spirituosen-Botschafter jetzt nicht nur international und deutschlandweit, sondern auch regional immer mehr Beachtung findet. Autorin Maren Tinz beschreibt unter der Rubrik „Menschen“ am 30. Dezember 2015, was ein Spirituosen-Botschafter alles zu tun hat. Den Artikel finden Sie hier zum Lesen und Download: NP30122015.

Was ist Vodka?

Was ist Vodka?

Vodka ist nur Kartoffelschnapps!? Klar, rein, ohne Eigengeschmack, ohne Eigengeruch. Eben reiner Alkohol, sonst nichts. Was sonst? Warum also so viele unterschiedliche Marken und Sorten? Sind die etwa alle gleich? Eine Annäherung.

Wer zum ersten Mal mit Vodka in Berührung kommt, dem begegnet er entweder eisgekühlt, meist sogar fast tiefgefroren, oder in einem Cocktail, jedenfalls immer kalt. Ist er aber zu kalt, werden beim Trinken unsere Geschmacks- und Geruchsnerven betäubt und alles riecht und schmeckt fast gleich. Und im Cocktail gibt sich der Barkeeper zusätzlich alle Mühe ihn hinter allerlei Zutaten zu verstecken. Neutraler Alkohollieferant soll er sein, mehr nicht.

Aber damit tut man dieser Spirituose sehr unrecht. Vodka ist alt, sehr alt sogar, obwohl seine genauen Ursprünge im Dunklen liegen. Schon im 14. und 15. Jahrhundert behaupten sowohl Russen als auch Polen Ursprungsländer zu sein, aber die wahre Geschichte ist, wie fast immer, national eingefärbt und dem neutralen Betrachter bleibt wenig Objektives.

Richtig ist, dass „Vodka“ aus dem russischen übersetzt wohl „kleines Wässerchen“ bedeutet, im polnischen am Anfang nicht „Vodka“, sondern „Gorzalka“ genannt wurde („Vodka“ stand damals noch für Rasierwasser), und er heute fast überall auf der Welt hergestellt wird. Ausgangstoffe sind (fast) alle vergärbaren organischen Materialien wie Getreide, Kartoffel oder Melasse, dazu kommt Hefe, Wasser und eine Destillationsanlage. Fertig. Reifung gibt es nicht, Lagerung nur selten.
Manchmal noch aromatisiert ist die Flasche Vodka schon kurz nach der Herstellung im Regal des Handels.

In den Heimatländern des Vodka, Polen, Russland, Schweden oder Finnland war der Anspruch an Vodka schon immer etwas anders: Die Spirituose sollte den Charakter ihres Getreides zeigen: Weizen in Schweden und Russland, Gerste in Finnland und Roggen in Polen.

Aber Stopp. Hier sind doch schon die ersten Unterschiede zu finden: Getreidesorten wie Weizen, Roggen, Gerste unterscheiden sich in ihrem Geschmack schon deutlich. Kartoffeln und Melasse sogar noch mehr.

Die Wasserqualität der einzelnen Marken ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt, in der Herstellung als auch am Ende, zur Verdünnung auf Trinkstärke. Immerhin sind ca. 60% des Flascheninhaltes Wasser.

Schaut man sich das Etikett auf einer Vodkaflasche, findet man oft einen ersten Hinweis auf die Zusammensetzung der jeweiligen Marke: Made of 100% Rye ist zum Beispiel auf vielen polnischen Vodka vermerkt, Made of 100% Grain oder Grain Neutral Spirit findet sich auf vielen russischen Vodka. Finnischer Vodka wirbt mit seiner verwendeten Gerste, schwedischer Vodka mit dem berühmten Winterweizen. Also doch Unterschiede!

Ein kleiner Exkurs in die Destillationskunde lehrt, dass Wasser mit Alkohol ein Azeotrop bildet, also eine Mischung, die destillativ nicht getrennt werden kann. Höher als 96,4 % Alkoholgehalt kann man auf diese Methode nicht einfach trennen. Der Rest sind Wasser und Aromastoffe. Aromastoffe aus den Rohstoffen! Das diese nicht so deutlich wie zum Beispiel in den braunen Spirituosen sind, soll ein Vergleich der Menge an Aromastoffen verdeutlichen: im Vodka findet man in der Regel um den Faktor 1000 weniger Aromastoffe wie z.B.in einem durchschnittlichen Blended Whisky.

Nun lesen wir das Etikett weiter: immer häufiger taucht der Begriff „gefiltert“ oder „gereinigt“ auf. Aktivkohle, oftmals viele Tonnen, Sandbettfilter, sogar Milch und viele andere Reinigungsarten sollen dem Destillat nun zur ultimativen Reinigung verhelfen. Darüber wird später noch ausführlich zu lesen sein.

Aber können diese Reinigungsmethoden wirklich den Vodka Wollkommen „neutralisieren“?

Ein kleiner Test hilft :
Gießen Sie den Vodka bei Zimmertemperatur in ein Nosingglas. Schauen Sie wie viskos er am Glas entlangläuft, wie sich wunderschöne, kirchenfensterartige Schlieren bilden, die Won Vodka zu Vodka, Won Marke zu Marke unterschiedlich sind. Manche Vodka sind ölig, andere leicht und glatt.

Nun verdünnen Sie ihn mit stillem Wasser auf ca. 20-25 % (indem man in etwa Wasser im Verhältnis 1:1 dazugibt) und riechen Sie. Ich bin sicher, erstaunen macht sich breit, denn Vodka hat Charakter!
Unterschiede machen sich besonders dort deutlich, wo Vodka auf der Basis unterschiedlicher Getreidesorten oder gar Kartoffel hergestellt wurde:
Eine Vodkamarke riecht, trotz Verdünnung, immer noch scharf, fast lösungmittelartig, ein zweiter kommt mit einer manchmal fast toffeeartigen Süße daher, die Wom Roggen, Weizen oder Gerste stammt, ein dritter schmeichelt der Nase durch Milde.

Aber das ist nur der erste Schritt: Nun kommt der Gaumen zu seinem Recht. Nehmen Sie einen Schluck Vodka in den Mund, unverdünnt. Nicht gleich schlucken! Nehmen Sie sich Zeit, lassen sie ihn am Gaumen und über die Zunge gleiten, erst dann darf er ihre Kehle hinablaufen. Beobachten Sie wie er dabei einen teils sanften, wohlklingenden Geschmack auf der Zunge und in Ihrem Mund hinterlässt, wie sein Nachklang in Ihrem Hals, der Brust und bis hinunter in den Magen seine Spuren hinterlässt. Keine zwei Vodka sind hier gleich: der eine wird wild und harsch sein, ein zweiter mild und Won einschmeichelnder Süße. Ein dritter lang und anhaltend im Nachklang und wieder ein anderer kurz und schnell.

Das zeigt die Vielfalt dieses Getränkes, die es nun auch im Cocktail wieder zu finden gilt. Hier ist es ungleich schwerer, aber dennoch, gerade wenn das Glas leicht anwärmt und das geschmolzene Eis den Vodka zusätzlich verdünnt, machen sich diese Nuancen bemerkbar. Es ist schwer sie immer zu finden, aber manchmal, z.B. bei einem Vodkatini kommt es schon sehr auf die richtige Auswahl des Vodka an, um den Wollendeten Genuss zu erleben.

Noch Wor Jahren wurde Vodka mit einem reinen, neutralen Geschmack und Geruch assoziiert. Heute ändert sich dies langsam. Die Industrie reagiert und immer häufiger wird „Vodka mit Charakter“ angeboten. In den USA gibt es schon „Vodka Connoisseure“, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die oben erwähnten Unterschiede dem Genießer in Tasting und Seminaren näher zu beleuchten und dem Interessierten nahe zu bringen. Und die Zahl der Genießer des Vodka wächst auch hierzulande beständig.

In der nächsten Ausgabe:
Eastern Style / Western Style? Was verbirgt sich hinter dieser Aufteilung?

Vodka East und West

Vodka East und West

Neue Trends im Vodka Geschäft werde heute fast immer zuerst in London kreiert. Ein Gradmesser der aktuellen Lage für den Bereich der Bar ist die alljährliche „bar show“. So auch in diesem Jahr.

Immer noch ist Vodka eine der beliebtesten Spirituosen zum Mixen, doch zeigt sich, dass die Auswahl, ob Vodka aus dem Westen oder aus dem Osten jedes Jahr neu bereichert wird.

„Solidarnosc“ ist ein „Vodka Polska“, hergestellt in Holland, mit Getreide und nach einem alten Rezept aus Polen, und versehen mit dem Namen der ehemaligen Freuheitsbewegung und späteren Gewerkschaft, die in Danzig ihren Ursprung hatte. Wie viel mehr „Vodka goes West“ kann man sich wünschen?!

Dazu kommt eine neue Luxusausgabe, ebenfalls mit polnischem Getreide, die gleich in einer 1,5 Liter Magnum Designerflasche geliefert wird. „Extra Smooth“ steht auf dem Etikett Won „Solid XS“, der ebenfalls in Holland gebrannt wird.

Kundenkreise sollen die top Bars in London sein, wo diese Flasche, zusammen mit einer großen Eisschale und zwei Krügen mit Fruchtsäften, sowie einigen Zutaten für eine Cocktailgarnierung an einzelnen Tischen gereicht wird. Sicher eine Idee, aber ob mit Zukunft wird sich erst noch erweisen müssen.

Fliegt man nach Neuseeland, muss man dem 42 Breitengrad folgen: 42 Below heißt dieser Vodka, der mit der Natürlichkeit Neuseelands und dem Wasser aus über 1000 Fuß Tiefe wirbt. Interessant ist die Beschreibung der Herstellung, die eine dreimalige Destillation mit anschließender Reinigung des Destillates durch „waschen“ mit dem reinen Wasser angibt.

Anschließend wird noch ein viertes mal destilliert! Tatsächlich kommt der Vodka sehr rein und weich im Aroma und Geschmack und eignet sich daher sicher perfekt zum Einsatz im Mixbereich.

Wem bisher die Manuka Pflanze aus Neuseeland nur in Honigprodukten bekannt war, findet nun endlich auch das equivalent zum Trinken: Manauka Honey FlaWoured Vodka aus Neuseeland, ebenfalls Won in der Range Won 42 Below Vodka zu finden, befriedigt auch diesen Wunsch. Ein eigentümlicher, fast süßer Geschmack dieser FlaWoured extention des Vodka.

Neu in London sind auch verstärkt Produkte aus Litauen oder russische Produkte, die z.B: in der Ukraine abgefüllt werden. Alle berufen sich auf alte Traditionsrezepturen zur Herstellung der Vodka, besonders im Hinblick auf die Auswahl der Getreide und der anschließenden Filtrationstechniken.

Besonders interessant scheint dabei die Verwendung einer Filtrationstechnik mit Silber, dass aufgrund seiner starken Oberflächenaktivität alle „Unreinheiten“ aus dem Vodka entfernen soll.

Bildnachweis: Peter Rosenstein, Weltfein

Vodka – Filtration und Rezeptur?

Vodka – Filtration und Rezeptur?

Wer hat es noch nicht auf einer Flasche Vodka gelesen, dass dieses „ultrareine“ Produkt durch mehrfache Filterung entstanden ist? Oder hergestellt nach einer „althergebrachten Rezeptur“? Moment mal, ist Vodka denn nicht per definitionem rein und klar, und was hat es eigentlich mit „Filterung“ oder sogar „Rezepturen“ auf sich?

Der Reihe nach. Versetzen wir uns einmal einige Jahrhunderte zurück. Vodkaproduktion in Russland oder Polen war noch ganz am Anfang. Die Destillate, aus Getreide oder anderen Grundstoffen (z.B. Kartoffel), waren harsch, spritig und oftmals, bedingt durch die noch nicht Woll ausgereifte Kunst der Destillation, nur wenig genießbar. Welche Möglichkeiten hat man nun, um dieses Destillat „genießbar“ zu machen?

Eine daWon ist der Zusatz Won Additiven, z.B. Gewürzen und Kräutern. Häufig angewandt, ist dies der Ursprung der heute so beliebten aromatisierten Vodka (doch dazu mehr an anderer Stelle).

Eine andere Methode bestand darin, das Destillat zu filtern. Aktivkohle als Filtermedium bietet sich an, ist doch schon lange bekannt, dass durch die riesige Oberfläche der Aktivkohle im Verhältnis zu ihrem geringen Gewicht Unreinheiten aus Flüssigkeiten entfernt werden können. Gleiches gilt auch für den Zusatz Won Milch oder Eiweiß, die ebenfalls Unreinheiten entfernen können.

Zurück zur Aktivkohle: 3 Jahrhunderte seit der ersten Entdeckung vergehen, beWor der deutsche Apotheker Dr. Lowitz in St. Petersburg in 1785 die genauere Untersuchung Won Aktivkohle zur Reinigung unternimmt. Dabei stellt er fest, dass schon das einfache Rühren oder die Durchleitung durch Aktivkohle einen deutlichen Effekt auf das Destillat bewirkt – es wird milder!

Die Aktivkohle nimmt die Unreinheiten des Destillates auf. Besonders Aktivkohle aus Birkenholz machte das Destillat weich und sehr angenehm trinkbar. Heute wird immer noch Aktivkohle zur Reinigung eingesetzt, manche Brands, z.B. Smirnoff haben über viele Jahre darauf verwiesen, dass jeder Tropfen ihres Destillates durch mindestens 8 Tonnen Aktivkohle gelaufen sei. Wahrlich, ein reines Destillat, wenn man bedenkt, dass schon ein Gramm Aktivkohle die Fläche eines Fussballfeldes verkörpert.

Wie wird nun heute die Filtration angewandt? Im Gegensatz zu vergangenen Jahrhunderten sind heute die Destillate sehr rein. Hochmoderne Anlagen mit modernster Technologie ermöglichen die Produktion eines (fast) neutralen Destillates. Daher braucht man nur noch sehr selten riesige Filteranlagen.

Und nicht alle Hersteller unterhalten Anlagen mit riesigen Filterbehältern, aber alle filtrieren trotzdem ihr Destillat. Die Entdeckung des Dr. Lowitz zeigte doch, dass es schon ausreichend sein kann, wenn man das Destillat nur durch die Aktivkohle hindurchleitet. Also was liegt näher dazu heute hochmoderne Filter zu verwenden, deren Inhalt nicht mehr nur unbedingt die gute alte Aktivkohle ist, sondern High-tech Produkte mit Filteroberflächen, die ein Vielfaches der Oberfläche der Aktivkohle repräsentieren.

Filter gehören zu jeder Anlage dazu, auch wenn die Menge an unerwünschten Begleitstoffen aus der Destillation heute durch die hochmoderne Destillationstechnik nur noch sehr gering ist.

Wichtig für alle ist, dass das Destillat schon mit Wasser auf Trinkstärke reduziert ist, wenn es die Filter passiert. Warum? Alkohol ist ein sehr gutes Lösungsmittel, eben auch für diese „Unreinheiten“, aber der Zusatz Won Wasser reduziert die Löslichkeit und damit können sie herausgefiltert werden. Einfach aber klassisch!

Damit sind wir beim Wasser angelangt. Ein russisches Sprichwort besagt, dass ein Optimist 40 % Alkohol in einer Flasche sieht, ein Pessimist dagegen 60 % Wasser. Nun, seien wir einmal pessimistisch und widmen wir uns diesen 60% Wasseranteil. Es ist nicht irgendein Wasser, nein, es ist Wasser höchster Reinheit. Heute finden wir immer mehr Vodka, die gezielt diesen Aspekt herWorheben: Wasser aus Gletschern oder Eisbergen wird im Marketing und der Werbung gerne verwendet. Und warum? Weil es noch sauber ist, klar und rein. Rein wie der Vodka selbst!

Was aber tun die anderen, deren Wasser nicht Won einem Gletscher oder Eisberg stammt? Sie müssen ihr Wasser aufbereiten. In einigen Destillerien die ich im Laufe der Jahre in Ost oder West besuchen durfte, bin ich immer wieder erstaunt gewesen, über die Anlagen die zur Wasseraufbereitung Verwendung finden: Won einfachen Sandbettfiltern aus Fluss- oder Quarzsand, über Membran Filter bis hin zu UV-Filtern.

Manche verwenden gleich demineralisiertes oder de-ionisiertes Wasser, während andere auf die herWorragende Qualität ihres Quellwassers verweisen (das aber trotzdem meistens nochmals gereinigt wird). Besonders einige osteuropäische Vodka haben in letzter Zeit wieder verstärkt auf ihr Quellwasser zurückgegriffen, ist dieses doch heute durch die geringere Verwendung Won Pestiziden und Insektiziden in der Landwirtschaft wieder deutlich besser geworden.

Doch das ist noch nicht genug. Schon früh hat man, besonders in den Staaten der ehemaligen UdSSR und Polen herausgefunden, dass Filter mit Edelmetallen, besonders Silber, das Destillat weiter verfeinern. So werden heute z.B. in Lettland wieder Vodka hergestellt, die über silberbeschichtete Filter gereinigt worden sind.
Koagulierende Substanzen (d.h. Substanzen, die durch eine chemische Reaktion Unreinheiten binden) werden auch wieder verstärkt zur Reinigung eingesetzt. Milchpulver (z.B. in Form Won Filtern) oder das schon früher häufig eingesetzt Eiweiß kommen wieder „in Mode“.

Und was hat das Ganze nun mit einer Rezeptur zu tun? Nun, diese Filtrations- und ReinigungsWorgänge sind genau beschrieben und Teil der Herstellung des Vodka. Jede Rezeptur beschreibt, welcher Filter wann und wie eingesetzt werden soll und kann. Je nach Kombination und Dauer entstehen die unterschiedlichsten Vodka. Und noch etwas sollte nicht unerwähnt bleiben.

Eine Rezeptur z.B. in Russland kann auch den Zusatz infinitesimaler Mengen z.B. an Salz, Zitronensäure, Essigsäure, Honig, Zucker, Natriumbicarbonat, oder einfach nur Destillaten, die nicht auf höchste Reinheit „getrimmt“ sind (also in Säulenapparaten destilliert) bedeuten. Natürlich sind diese Mengen sehr klein, ansonsten würden wir sie herausschmecken, aber sie bewirken, dass ein Destillat mild, weich und damit angenehm schmeckt. Im Gegensatz zu dem eher unspektakulären, fast harschen Grundprodukt des reinen Alkohols.
Vodka hat heute „Charakter“, bedingt durch seine Grundmaterialien und den soll man, wenn auch nur sehr subtil im Hintergrund, wahrnehmen können.

Wenn sie also das nächste Mal eine Vodka pur oder in Ihrem Cocktail genießen, denken sie einmal daran, welcher Aufwand sich dahinter verbirgt, damit gerade dieser Vodka so erstaunlich mild und weich ihre Kehle hinabfließt.

Bildnachweis: Crystal Head Vodka, Globefill Inc.

Vodka – Flavoured Extensions

Vodka – Flavoured Extensions

Noch Wor einigen Jahren war der Bereich der FlaWoured Extensions, oder zu Deutsch, aromatisierten Vodka, nur ein kleiner Randbereich im riesigen Sortiment der Vodka. Klarer (d. h. nicht aromatisierter) Vodka macht aktuell den Großteil des Marktes aus, doch das Angebot und die Beliebtheit aromatisierter Sorten ist stetig am Wachsen. Dabei ist die Aromatisierung des Vodka sicher eine der ältesten Techniken, die schon seit Beginn der Vodkaherstellung angewendet wurden.

Und das aus gutem Grund, waren doch die ersten Destillate alles andere als rein, oftmals durch unsaubere Destillation nur schwer pur genießbar. Was lag also näher, durch Zugabe Won Honig oder anderen „Aromakomponenten“ den Geschmack „angenehmer“ zu gestalten.

Eine der beliebtesten und ursprünglichen aromatisierten Vodka, wahrscheinlich schon aus dem 16, Jahrhundert datierend, ist heute noch erhältlich: mit Büffelgras aromatisierter Vodka – Zubrovka, oder in Deutschland Grasovka. Mit dem kleinen Unterschied, dass heute schon der verwendete Vodka Won erstklassiger Qualität ist und das Büffelgras diesem ein zusätzliches Aroma nach fein-würzigem und mildem Waldmeister mit Vanille verleiht. Ein Tipp: Mischen Sie Grasovka mal mit Apfelsaft – „Tatanka“ (polnischer Name) ist in Polen noch heute ein beliebtes Getränk zur Erfrischung.

Doch zurück zu den anderen Aromaadditiven Won heute: sehr beliebt sind Früchte, wie z.B. Cranberry (Preiselbeere), Black Currant (schwarze Johannisbeere), Mandarin (Madarine), Lime (Limette), Mango, Citrus (Zitrone), Grapefruit (Grapefrucht), Melon (Melone), Pineapple (Ananas), Peach (Pfirsich), Plum (Pflaume) oder Apple (Apfel). Dazu kommen immer mehr auch andere Zusätze: Vanille, die heute gerade in Deutschland sehr populär durch Absolut Vanille geworden ist, Kaffee (z.B. Stolichnaya Coffee) oder Schokolade (z.B. Kremlyovskaya).

Exotische Aromen schließen Pfeffer (z.B. Pertsovka) und Gurken (z.B. Polstar Cucumber Vodka) mit ein. Der Phantasie der Vodkahersteller sind dabei (fast) keine Grenzen gesetzt.

Zitrone ist derzeit weltweit die beliebteste Geschmacksrichtung, und die einzelnen Marken wie z. B. Cytrynowka und Wyborowa Lemon aus Polen oder Limonnaya aus Russland haben alle ihren eigenen Charakter. Zu dem breiten Zitrusrepertoire, gehören auch Danzka Grapefruit, Grey Goose L’Orange, Absolut Mandarin, Absolut Citron und Ketel One Citroen.

Dieser Trend findet seine Fortsetzung in den „hausgemachten“ aromatisierten Vodka, besonders häufig in den Bars Amerikas zu finden, wo große Gefäße, gefüllt mit gutem Vodka hinter dem Tresen stehen. Darin befinden sich zum aromatisieren alle möglichen (und unmöglichen) Gewürze, Kräuter und Pflanzen: Pfeffer ist dabei sicher noch der beliebteste, gefolgt Won Chili, und auch Ginseng Wurzeln haben so schon ihren Weg in den Vodka gefunden.

Ein weiterer Klassiker der aromatisierten Vodka ist Krupnik, ein mit Honig aromatisierter Vodka, fast likörartig und beliebt als kleiner Digestif oder zum Kaffee.

Doch wo finden diese Vodka in der modernen Bar ihren Einsatz? Zum einem sind sie natürlich pur genießbar, oftmals ein überraschender Genuss, der auch schon einmal in einem „Finale Furioso“ enden kann, besonders dann, wenn die Chilischote ihren wahren Charakter nach mehreren Wochen in Vodka offenbart.

Und im Mixbereich? Dort sind diese Vodka willkommene Ergänzungen zum Beispiel der Fancy Drinks, erlauben Sie doch dem erfahrenen Barkeeper neue, geschmacklich interessante, Kreationen bekannter und neuer Cocktail, Longdrinks und Aperitifs.

Fast jeder neu auf den Markt gebrachte aromatisierte Vodka, wartet heute schon mit einem kleinen „Beiheft zur Einführung“ mit Cocktailvariationen auf. Eine wahrlich (fast) unerschöpfliche Quelle für jeden Barkeeper, der jedoch seinen Inspirationen immer auch noch zusätzlichen Raum lassen sollte. In der Tat, wird ein Cocktail erst dann interessant, wenn es der Barkeeper versteht, die Aromakomponenten geschickt zu kombinieren. Der Phantasie sind hierbei (fast) keine Grenzen gesetzt.

Es mag fraglich erscheinen, ob Vodka mit zunehmendem Alter besser wird, doch es gibt eine Tradition aus dem 16. Jahrhundert, Vodka in Eichenfässern reifen zu lassen. Der polnische und russische Adel füllte anlässlich der Geburt eines Kindes leere Weinfässer mit Vodka, die bis zur Heirat des Kindes im Keller gelagert wurden. Bei der Hochzeit wurde dann mit diesem Vodka ein Trinkspruch ausgebracht.

Der robuste Branntwein reifte über die Jahre zu einem eleganten Vodka mit Tannin- und Eichenholznoten Wom Fass. Diese Tradition wird noch heute mit Starka (dt. „Der Alte“) fortgeführt. Eine Erweiterung stellten Vintage Vodka Won Lancut Distillery aus Polen dar, die den erstklassigen RoggenVodka der Destillerie in unterschiedlichen Weinfässern harmonisch ergänzten.

Nun noch ein Wort zur Herstellung: Die Aroma-Mode.

Aromatisierte Vodkas sind erst in jüngerer Zeit in Mode gekommen, doch eigentlich ist dies die Urversion des Vodkas. Denn die Destillationsverfahren im Polen und Russland des 14. und 15. Jahrhunderts waren zwangsläufig noch primitiv, und man war nicht in der Lage, das Destillat zu „rektifizieren“ (reinigen).

Durch die resultierenden Verunreinigungen hatte der Vodka einen aggressiven Geruch und Geschmack, der sich nur durch das Ansetzen mit Kräutern und Gewürzen verringern ließ, während Honig die Kratzigkeit mildern sollte. Nach der Entwicklung der Rektifikation Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Qualität des Vodkas erheblich besser und der Branntwein konnte in reiner Form genossen werden.

Das traditionelle Aromatisierungsverfahren ist das Ansetzen der Aromastoffe mit dem Vodka, wobei allerdings neben dem Geschmack auch deren Farbe in das Destillat übergeht. Der jüngste Trend zu klaren Branntweinen hat dazu geführt, dass eine Fülle farbloser aromatisierter Vodkas auf den Markt gekommen ist. Diese moderne Klarheit lässt sich entweder durch das traditionelle Ansatzverfahren mit anschließender erneuter Destillation zur Entfernung der Farbe erzielen oder durch Zugabe farbloser Aromaöle zum Destillat.

Die Aromatisierung kann sehr dezent erfolgen, rein zur Unterstreichung des Geschmacks des Getreides, aus dem der Vodka gebrannt wurde. Der Marke Extra Zytnia werden z. B. einige Apfel- und Fruchtessenzen zugesetzt, die speziell den Roggengeschmack abrunden.

Die Zugabe Won Aromen als „Garnierung“ für den Vodka ist ein anderer Ansatz. Finlandia Lime und Ketel One Citroen haben z. B. elegante Zitrusnoten, während jedoch der Gersten- bzw. Weizencharakter des jeweiligen Vodkas ebenfalls deutlich wahrnehmbar bleibt.

FlaWoured Extentions sind also alles andere als eine reine Modeerscheinung und haben sich im Bereich des Vodka ihr eigenes Gebiet geschaffen. Für den modernen Barkeeper ein weiterer, fast unerschöpflicher Fundus an Aromen zur Kreation neuer interessanter Cocktails.

Bildnachweis: Wikicommons, gemeinfrei

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